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Mehr Bewegung im Alltag: Neuer Trimm-mich-Pfad im Clarissenhof

Ein bisschen Neugier liegt in der Luft, als sich Bewohner:innen, Angehörige und Mitarbeitende im Clarissenhof versammeln. Es wird ausprobiert, gelacht, ermutigt. Der Anlass: der Start eines neuen Bewegungsangebots – ein Trimm-mich-Pfad mitten im Haus auf den Wohnbereichen.

Der Auftakt ist bewusst als gemeinsamer Einstieg gedacht. Beim Kick-off konnten erste Stationen getestet, Erfahrungen gesammelt und Ideen ausgetauscht werden. Denn klar ist: Der Trimm-mich-Pfad ist kein fertiges Projekt, sondern etwas, das sich weiterentwickeln soll.

Bewegung im Alltag verankern

Für den Trimm-mich-Pfad wurden 17 Stationen entwickelt. Auf zwei Wohnbereichen gibt es nun jeweils einen identischen Parcours mit einfachen Übungen zur Mobilisation, Kräftigung und Dehnung. Viele davon sind auch im Sitzen möglich. Kleine Anleitungen und Bilder erklären, wie es geht. Ziel ist es, Bewegung niedrigschwellig in den Alltag zu integrieren. Regelmäßige Bewegung gilt als wichtiger Faktor für Gesundheit, Selbstständigkeit und Sturzprophylaxe – auch im Alter.

Beim Auftakt wird das direkt sichtbar: Ein Mann unterstützt seine Frau bei einer Dehnübung – und macht gleich selbst mit. An anderen Stationen entstehen Gespräche, man motiviert sich gegenseitig, probiert Neues aus. Auch Angehörige sind an diesem Tag dabei. Eine Besucherin zeigt sich begeistert: Es sei schön zu sehen, dass für ihre Mutter im Haus solche Angebote entwickelt werden. Bewegung sei schließlich in jedem Alter wichtig.

Eine Idee, die gewachsen ist

Die Initiative für den Trimm-mich-Pfad kommt von Physiotherapeutin Silke Engel (Bild 3), die seit vielen Jahren mit dem Haus zusammenarbeitet.

„Ich habe schon seit vier, fünf Jahren die Idee im Kopf gehabt, so etwas umzusetzen“, erzählt sie. „Aber im Alltag war dafür lange kein geeigneter Zeitpunkt.“ Jetzt ist sie umso dankbarer, dass das Projekt gemeinsam realisiert werden konnte: „Ich freue mich sehr, dass alle so mitgezogen haben. Das ganze Haus hat die Idee unterstützt.“

Seit rund 25 Jahren arbeitet sie als Physiotherapeutin im Clarissenhof und kennt die Bedürfnisse der Senior:innen gut. Die Idee entstand aus dem Alltag heraus: Übungen nicht nur in der Therapie anzuleiten, sondern so aufzubereiten, dass sie auch selbstständig durchgeführt werden können. „Ich habe oft gemerkt, wie wichtig es ist, dass die Menschen die Übungen auch ohne mich machen können. Mit den Stationen haben sie jetzt jeden Tag die Möglichkeit dazu.“

Der Trimm-mich-Pfad verfolgt drei zentrale Ziele:

  • Freude an der Bewegung fördern
  • Kraft, Beweglichkeit und Gleichgewicht verbessern
  • Größtmögliche Selbstständigkeit erhalten

Gerade weil viele Menschen im Alltag viel sitzen, sind Dehnung, Aufrichtung und Gleichgewicht besonders wichtig – auch zur Sturzprophylaxe. Die Übungen sind bewusst einfach gehalten und leicht verständlich beschrieben.

Mehr als Training

Doch es geht um mehr als körperliche Aktivität. Der Trimm-mich-Pfad schafft auch Begegnung. Schon beim Auftakt wird deutlich, wie viel Dynamik entsteht: Bewohnerinnen und Bewohner motivieren sich gegenseitig, helfen einander, kommen ins Gespräch. Die Stationen werden zu kleinen Treffpunkten im Alltag.

Auch für Mitarbeitende bringt das Vorteile. Wenn Bewohnerinnen und Bewohner mobiler und kräftiger sind, erleichtert das viele Abläufe in Pflege und Betreuung.

Vor der Einführung wurde der Parcours getestet: Welche Übungen sind verständlich? Wo passen sie gut hin, ohne im Weg zu sein? Diese Erfahrungen fließen nun in die Weiterentwicklung ein. Auch optisch soll der Trimm-mich-Pfad noch ausgebaut werden. Geplant ist außerdem, die Stationen regelmäßig zu variieren – für mehr Abwechslung und neue Impulse. Für Engel steht neben der Bewegung vor allem ein Gedanke im Mittelpunkt:

„Viele denken, wenn sie ins Pflegeheim kommen, geht es nur noch bergab. Aber das stimmt nicht. Man kann sich Ziele setzen, etwas erreichen – und sich dadurch besser fühlen.“

Der Trimm-mich-Pfad ist genau dafür gedacht: Menschen zu ermutigen, aktiv zu bleiben, sich etwas zuzutrauen – und Freude an Bewegung zu erleben.